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Malerei

Balinesische Malerei, wie man sie im Westen kennt, ist keine traditionelle klassische Kunst in Bali. Früher beschäftigten sich die Balinesen mehr mit Holzschnitzerei und Bildhauerei als mit Malen. Sie schufen aus weichem Lavastein Tore und Mauern für ihre Tempel, schnitzten Schreine und schufen unendlich viele verschiedene Statuen und dekorative Ornamente.

Das Wayang oder Schattenspiel ist ebenfalls ein bedeutender Pfeiler der modernen balinesischen Malerei. Ein anderer Faktor, der die Malerei beeinflußte, ist die Herstellung von religiösen Opfergaben, bei der die Balinesen richtige kleine Kunstwerke aus Bambus, Holz, Blättern, Reis, Blumen und Früchten zaubern.

Eine weitere Stilrichtung, die mehr an unsere modernen Gemälde erinnert, sind schwarz-weiße Zeichnungen auf weißem Stoff, sogenannte Rerajahan, die böse Geister vertreiben sollen und die besonders in Tempeln und vielen Tanz-Dramen Verwendung finden.

 Die Geschichte der balinesischen Malerei begann lange Zeit, bevor Walter Spies und Rudolf Bonnet auf die Insel kamen. Wenn man am Ursprung der balinesischen Malerei interessiert ist, so ist Klungkung genau der richtige Ort, sich näher damit zu befassen. Etwa im 15. Jahrhundert begannen die ersten Maler im Königreich Gelgel, Tempel und Paläste mit ihrer Kunst auszuschmücken. Die ältesten balinesischen Gemälde befinden

sich auf zwei Holztafeln im Pura Penataran Tempel und im Pura Batu Madeg Tempel in Besakih. Sie stammen aus den Jahren 1444 und 1458 und stellen eine kleine Lotusblume und die Elefantengottheit Ganesha dar.

 

 

Klungkung

Es gibt zwei Plätze in Klungkung, wo man noch die "echten klassischen Gemälde Balis" findet.

Der erste ist die berühmte Gerichtshalle Kerta Gosa. Die Innenseite des Daches dieses Gebäudes, das im 18. Jahrhundert erbaut wurde, ist farbenprächtig bemalt mit Bildern und Szenen aus dem balinesischen Schattenfigurenspiel Wayang Kulit, Geschichten über Horoskope und Voraussagungen sowie Darstellungen von göttlicher Bestrafung für die auf Erden begangenen Sünden. Gemalt wurden diese Bilder von Künstlern aus Kamasan, und auch heute noch ist es nur diesen gestattet, sie zu renovieren. Sangging Mahendra war der erste Kamasan-Künstler, der im Beisein des Königs malen durfte.

Dewa Agung Made, der König von Gelgel, beauftragte Sangging Mahendra, Bilder im Stile der Wayang Puppen zu malen. Dies war die Geburtsstunde der Kamasan-Malerei. Von Anfang an strebten die Kamasan- Maler einen volkstümlich schlichten Malstil an. Der König wünschte eine schmückende, detailgetreue und ausdrucksstarke Bemalung, die nicht nur zur Dekoration dienen, sondern als historisches Dokument der Nachwelt überliefert werden sollte.

Die Maler waren in der Regel Bauern, die morgens auf ihren Feldern arbeiteten. Nachmittags, wenn die Arbeit in der heißen Sonne zu beschwerlich wurde, nahmen sie ihre Künstlerutensilien und begannen zu malen. Oft arbeitete eine ganze Gruppe an einem Gemälde.

Sämtliche Materialien, die sie benutzen, kamen aus der Natur. Die weiße Farbe wurde aus tierischem Knochenmehl hergestellt, Schwarz aus Ruß, Rot aus chinesischem Zinnober, Gelb aus ockerfarbenem Lehm, Blau aus Indigo und Braun aus gebrannter Tonerde. Diese natürlichen Farben werden auch noch heute insbesondere für die traditionellen Kamasan-Malerein verwendet. Als Leinwand benutzten sie allerfeinstes Leinen, dem sie mit Reismehl mehr Festigkeit verliehen. Mit Bambuspinseln und -stiften schufen sie ihre beeindruckenden Meisterwerke. Mit den Holländern kamen viele andere ausländische Besucher nach Bali und kauften Kamasan-Malereien, die sie mit nach Übersee nahmen.

Die Malerei der Künstler von Kamasan basiert auf dem ostjavanischen Wayang-Stil. Die Bilder wurden grundsätzlich zweidimensional, ikonenähnlich und nach strikten Regeln und Vorgaben gemalt. So kann man beispielsweise den Charakter und den Status einer Person anhand der Farben, mit denen sie gemalt wurde, an der Kopfbedeckung oder sogar an der Blickrichtung der Augen erkennen. Männer von edlem Stand haben immer feine Gesichtszüge, während grobe, ungeschliffene Charaktere mit großen, hervorstehenden Augen und Zähnen dargestellt werden. Auch heute findet man in Kamasan noch Künstler, die im typischen Wayang-Stil malen.

Der zweite Ort, wo man klassische Bali-Malerei betrachten kann, ist das Gunarsa-Museum in Bandem, Klungkung, wo Nyoman Gunarsa, ein Maler aus Klungkung, eine Privatsammlung zusammenstellte. Er investierte viel Geld und Zeit, um Bilder, die ins Ausland verkauft wurden, wiederzufinden und in die Heimat zurückzubringen.

 

 

Ubud

In der Region Gianyar verwendeten die Maler verschiedene Stilrichtungen. Sie zeichneten zuerst im Wayang Stil Dämonen und mysthische Charaktere aus alten balinesischen Geschichten und hinduistischen Legenden. Danach malten sie mit modernen Techniken und Farben die Bilder aus. Dieser Malstil ist auf den Einfluß einiger Anfang des 20. Jahrhunderts eingewanderter Künstler wie des Deutschen Walter Spies, des Belgiers Le Mayeur oder der Holländer Rudolf Bonnet und W.O.J. Nieuwenkamp, die sich in Ubud nieder- gelassen hatten, zurückzuführen. Sie brachten moderne Materialien wie Leinwand, Tinte, Acrylfarbe, Wasserfarbe und vieles mehr mit nach Bali und inspirierten die Balinesen dazu, nicht nur mythologische Themen, sondern auch Szenen aus dem täglichen Leben zu malen. Die wohl wichtigsten Neuerungen waren die Erweiterung der Dimensionen von bisher maximal zwei auf drei und ein Wandel bei den Bildinhalten. Konnte man bisher Vorder- und Hintergrund fast nicht voneinander unterscheiden, so traten nun die Hauptpersonen deutlich in den Vordergrund. So entstand der Ubud-Stil. Die europäischen Maler gründeten Malschulen und unterrichteten die jungen Maler im Gebrauch der modernen Malutensilien, beeinflußten aber so gut wie nicht ihren Ausdruck und Stil.

Aber im Raum Ubud finden wir nicht nur einen Malstil, sondern in jedem der umliegenden Orte entwickelten sich neue Variationen. So entstand in Pengosekan der Pengosekan-Stil, der besonders für seine Vogel-, Insekten-, Schmetterlings- und Pflanzenmalereien bekannt ist. Man findet diese zauberhaften Bilder sehr oft in Hotels, Büros und normalen Wohnhäusern wieder, und dies nicht nur in Bali und Indonesien, sondern auch außerhalb des Landes.

Aus Penestanan stammt der sogenannte Young Artist-Stil, ein naiver und farbenfreudiger Malstil, der von dem in Bali lebenden Holländer Arie Smith angeregt wurde. Young Artist-Künstler verwenden für ihre Bilder ungewöhnliche Farben wie z.B. Rot für das Meer, Blau für den Teint, Gelb für den Himmel usw.

Die im Batuan-Stil in der Ortschaft Batuan gemalten Bilder sind im Vergleich zu den in Ubud hergestellten Gemälden wesentlich dunkler. Die Qualität und der Charme dieser Bilder werden aber hochgeschätzt. Einer der bekanntesten Maler von Batuan ist I Made Budi, in dessen Haus man neben seinen Bildern auch einen Brief des früheren US-Präsidenten Ronald Reagan besichtigen kann.

Der Keliki-Stil ist dem Batuan-Stil sehr ähnlich, mit einer Ausnahme. Keliki-Malereien sind nur 20 mal 15 cm groß. Sie zeigen Szenen mit mythischen Charakteren und Figuren aus dem Ramayana, den Kampf des Guten gegen das Böse, vor dunklem, finsterem Hintergrund. Keliki-Künstler folgen der Tradition der alten Wayang-Künstler, indem sie fast nie ihre Arbeiten signieren.

Ein weiteres Malzentrum mit eigenem Stil in der Nähe von Ubud ist Banjar Tebesaya in Peliatan. Hier findet man die Namen der großen Balinesischen Maler wie Ida Bagus Made Poleng, der jedem Sammler von balinesischer Kunst als etwas mürrische und ziemlich exzentrische Persönlichkeit bekannt ist und der bis zu seinem Tod niemals eines seiner Gemälde an Gallerien verkaufen möchte.

 

Kampf des Arjuna mit Karna

 

Palmblatt-Malerei (Lontar)

Die Lontar-Malerei auf Palmblätter ist ebenfalls sehr verbreitet in Bali. Bei dieser Kunstrichtung werden Wayangfiguren und andere traditionelle balinesische Charaktere mit einem kleinen Meisel aus Palmblättern herausgeschält. Die dadurch entstehenden Vertiefungen werden mit Naturfarben schwarz bemalt. Das Ergebnis ist eine Art Buch mit wunderschönen Zeichnungen, die eine Geschichte darstellen. Diese Art der Malerei wird besonders in dem Bali Aga-Dorf Tenganan in Ost-Bali gepflegt.

Museen

In folgenden Museen Bali’s können Kunstliebhaber balinesische Malerei betrachten und bewundern: Im Nyoman Gunarsa Museum in Banjar Angkan, Bandem, Klungkung Bilder im Kamasan Stil. In Mas bei Peliatan im Rudana Museum traditionelle balinesische naive und moderne Malerei. Diese Sammlung ist überwältigend, viele Bilder sind von außergewöhnlicher Qualität. In Pengosekan in der Nähe von Peliatan und Ubud das großartige und wunderschön gestaltete Agung Rai Museum of Art (ARMA), wo man sowohl klassische balinesische Malerei wie auch hochwertige Gemälde von Raden Saleh und Walter Spies ansehen kann. Im Ratna Wartha, dem ersten Museum für schöne Künste in Ubud. Im Neka-Museum in Ubud, in dem man eine der größten und vollständigsten Sammlung von balinesischer Kunst angesammelt hat. Man findet dort moderne Malerei, klassische Gemälde und Werke der in den dreißiger Jahren in Bali lebenden ausländischen Maler.

 

 

Bekannte Maler

I Gusti Nyoman Lempad

Geboren: 1865 in Bedulu. Lempad ist ein fast legendärer Maler, Holzschnitzer und Architekt in Bali. Erbaute Verbrennungschreine und Tempel. Seine frühen Bilder waren farbig, in späteren Jahren schwarz und weiß. Er starb am 25. April 1978 im Alter von 113 Jahren, im selben Monat wie sein alter Freund Rudolf Bonnet und im gleichen Jahr wie Cokorda Gede Agung Sukawati. Alle drei waren die Gründer der künstlerischen Vereinigung Pita Maha, die eine bedeutende Rolle in der Entwicklung der balinesischen Kunst spielte. Seine Bilder kann man in seinem Haus in Ubud, ca. 100 Meter östlich des Marktes, im Puri Lukisan Museum, im Neka Museum Ubud und im Art Center Denpasar besichtigen.

W.O.J. Nieuwenkamp

Geboren 1874 in Holland. Kam 1904 nach Bali, er war der erste westliche Künstler, der die Insel besuchte. Er fertigte einige Zeichungen, mußte dann krankheitshalber nach Holland zurück. Nieuwenkamp kam aber 1906 erneut nach Bali und wurde Zeuge des Puputan- Massakers in Badung. Er schrieb das erste umfangreiche Buch über Bali. 1950 verstarb er.

Walter Spies

http://homepages.shu.ac.uk/~gcgreen0/asiacovr.html

Geboren 1895 in Moskau als Sohn eines deutschen Diplomaten. Hatte sich bereits 1923 in Europa als Maler einen Namen gemacht. Er besuchte Bali das erste Mal 1925 und übersiedelte dann im 1927 ganz dorthin. Spies war ein Multitalent, als Maler schuf er viele bedeutende Bilder von Bali, als Musiker war er der erste, der auf die balinesische Musik aufmerksam wurde und sie aufzeichnete. In den dreißger Jahren inspirierte er die Balinesen dazu, auf der Grundlage der alten Traditionen einen neuen Tanz zu kreieren - den Kecak.

Zusammen mit Rudolf Bonnet, I Gusti Nyoman Lempad und Cokorda Gede Agung Sukawati gründete er 1932 die Pita Maha. Walter Spies starb 1942 einen tragischen Tod, als er zusammen mit anderen Deutschen auf einem Schiff in Richtung Sri Lanka unterwegs war, das durch eine japanische Bombe versenkt wurde.

Reproduktionen seiner Bilder kann man im ARMA in Ubud sehen. Seine Originalgemälde befinden sich im Städtischen Museum in Dresden und bei privaten Sammlern.

Rudolf Bonnet

 Geboren 1895 in Amsterdam. Er lebte in Italien und Nordafrika, bevor er 1929 nach Bali ging. Gründete zusammen mit Walter Spies, I Gusti Nyoman Lempad und Cokorda Gede Agung Sukawati die Pita Maha. 1953 entwarf er das Gebäude und den Garten des Puri Lukisan Museums in Ubud. Er starb 1978 in Holland. Vor seinem Tod bat er, seine Asche nach Bali zu schicken. 1979 wurde seine Asche zusammen mit der seines alten Freundes Cokorda Gede Agung Sukawati nach einer feierlichen Cremation-Zeremonie dem Meer übergeben.

Seine Bilder sind im Agung Rai Museum of Art (ARMA) und Neka Museum Ubud zu sehen.

Adrien Jean Le Mayeur de Merpres

Geboren 1880 in Brüssel. Kam 1932 nach Bali und lebte in Sanur, wo er die balinesische Legong-Tänzerin Ni Polok heiratete, die sein bevorzugtes und berühmtes Modell wurde. Le Mayeur de Merpres starb 1958 in Brüssel. Seine Gemälde sind im Le Mayeur-Museum in Sanur links vom Grand Bali Beach Hotel und auch im ARMA in Ubud ausgestellt.

W.G. Hofker

Geboren 1902 in Amsterdam. Er lebte von 1938 bis 1944 in Bali. Die meisten seiner Arbeiten entstanden in diesem Zeitraum. Seine Bilder sind und fließend und sehr poetisch gemalt. Er malte Dörfer, Tempel und das religiöse Leben der Insel und konzentrierte sich insbesondere auf die Darstellung der Menschen von Bali. Hofker starb 1981. Seine Gemälde sind im ARMA und im Neka Museum in Ubud ausgestellt.

Ida Bagus Made

Geboren 1915 in Tebesaya bei Ubud. Bekannt als Ida Bagus Made Poleng. Er erhielt Unterricht von seinem Vater, der ebenfalls Künstler war und 1937 auf der Weltausstellung in Paris eine Silbermedaille bekam. Ida Bagus Made bezeichnete sich selbst aber als Schüler von Rudolf Bonnet. 1947 wurde eines seiner Gemälde an das Museum of Modern Art in New York verkauft. Er starb in Ubud im Jahr 1999. Seine Bilder kann man im ARMA, im Puri Lukisan und im Neka Museum in Ubud besichtigen.

Arie Smith

Geboren 1916 in Zaandam, Holland. Lebt seit 1956 in Bali und gründete die Künstlervereinigung "Young Artists" in Pengosekan bei Ubud. Er malt einfach oder naive Formen und sein Stil hat wahrscheinlich die "Young Artists" - Mitglieder beeinflußt. Ihre Bilder sind oft naiv, aber sehr ausdrucksstark und ungewöhnlich in der Farbe. Seine Arbeiten sind im ARMA und im Neka Museum in Ubud zu sehen.

Anak Agung Gede Sobrat

Geboren 1909 in Ubud. Sein Zeichentalent erregte die Aufmerksamkeit von Walter Spies und Rudolf Vonnet, die ihn ermunterten, seine Arbeiten unter Beibehaltung der Traditionen zu modernisieren. Er zählt zu den ersten modernen balinesischen Malern. Von 1957 bis 1959 unterrichtete er an der Akademie der Schönen Künste in Yogiakarta. Besichtigen kann man seine Bilder im Puri Lukisan und im Neka Museum in Ubud.

Antonio Maria Blanco

Geboren 1926 in Manila auf den Phillipinen. Seine Vorfahren stammen aus Katalanien. Er kam 1952 und heiratete die balinesische Legong-Tänzerin Ni Ronji. Er malte bevorzugt Frauen in exotischer Körperhaltung. Blanco baute ein Atelier und Ausstellungsräume über dem Campuan Fluß, wo er seine Werke ausstellte und mit seiner Frau und seinen vier Kindern lebte und arbeitete. Ende 1999 verstarb er. Seine Bilder sind in seinem eigenen Ausstellungsräumen, im ARMA und im Neka Museum in Ubud ausgestellt.

Nyoman Gunarsa

Geboren 1944 in Klungkung. Einer der bekanntesten indonesischen Maler. Besitzt selbst zwei Museen in Yogiakarta (Java) und in Bandem, Klungkung, dem Museum Seni Lukis Klasik Bali. Gunarsa's Gemälde basieren auf balinesischer Volkstümlichkeit, Hindu Dharma Legenden und Kunst. Dabei hat er einen ganz eigenen Stil entwickelt. Seine Arbeiten sind in seinem Museen, im ARMA und im Neka Museum Ubud zu sehen.

 

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