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| Irgendwann
war es dort sehr voll: Viele Menschen, viele Opferkörbe. Wir entdeckten
Made mit seiner Tochter auf dem Arm und setzten uns mit ihm und ein paar
Freunden und ein paar Bintang in Gras und erzählten ein wenig. Putu sah
so toll aus mit ihrem kleinen Sarong. Viele Papas liefen dort stolz mit
ihren Kindern auf dem Arm umher, egal ob Junge oder Mädchen. Das war ein
schönes Bild. Ein Vater ging mit seinem kleinen Sohn an mir vorbei. Der
war so niedlich in seinen Sarong gekleidet, daß ich ihn am liebsten
fotografiert hätte. Der Vater bekam es wohl mit, denn er ermunterte mich
dazu, stellte seinen Sohn lächelnd in Position und bedankte sich mehrmals
für das Fotografieren.
Einige Händler waren dort: Einer mit
Spielsachen, ein Eisverkäufer und einige für das leibliche Wohl. Dort
haben wir dann auch das erste Mal Sate gegessen. Das war soooo lecker...
und scharf! Wir haben dauernd nachgeholt. Die Dame dort mußte
schon lachen. Punkt vier brachen alle auf. Mein Mann und ich warten bei
solchen Turbulenzen immer lieber, bis alles ruhiger wird, aber Made ließ
uns keine Wahl. Wir mußten los und mit ihm mitkommen! So nahmen alle ihre
Opferkörbe, die so herrlich bestückt waren mit dem tollsten Obst und
Geflochtenem, wieder mit, und eine lange Menschenschlange bewegte sich
Richtung Kedisan. Wir mittendrin. Wir bekamen mehrfach Obst geschenkt,
darunter einige uns unbekannte Sorten wie die Salak. Sehr lecker, könnte
man vielleicht beschrieben als eine Mischung aus Litschi und Apfel, mit
dickem Kern in der Mitte. Als wir zum Hotel kamen, verabschiedete sich
Made von uns und meinte, daß er vielleicht später noch einmal lang kommt
und er dann mit uns zu seinen Eltern fährt...
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Zu seinen Eltern? Ich
dachte ich hätte mich verhört, aber mein Man hat es auch so verstanden.
Das war bis jetzt schon ein ereignisreicher Tag... Da Made wie gesagt
immer nicht viel persönliches zeigte, und wir nicht so recht wußten, wie
er zu uns stand, ob es für ihn genauso besonders ist wie für uns, sagte
das wiederum alles!
Es wurde spät, und wir aßen dann doch schon Abendbrot draußen in dem
Restaurant mit Blick auf den Vulkan und seine Spuckereien. Bei unserer
Vulkanumrundung standen wir an einer Stelle auf stark verbrannten
Grasflecken. Wir fragten unseren Guide, woher die sind. Er grinste und
meinte: Wenn der Wind schlecht steht, brennt es hier, aber heute steht der
Wind gut.... Nun ja, jedenfalls brannte es jetzt nach einem erneuten
Kracher an eben dieser Stelle.
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| Dann kam
Made doch noch, und wir fuhren los. Ich war so aufgeregt. Sie wohnten in
einem kleinen Häuschen, eine Wohnsiedlung sozusagen, in der ein Haus an
das nächste grenzt. Einkleines Wohnzimmer mit schwarz weiß Fernseher, in
dem wir indonesische Nachrichten sahen und zwei ganz kleine Kammern als
Schlafzimmer für die Eltern und für Made und seine Familie.
Eine Couch stand im Wohnzimmer, aber wir saßen
alle auf dem Teppich um einen großen Teller mit sehr leckerem Bratfisch,
Reiskuchen, Obst und balinesischem Kaffee. Mades Eltern sahen recht alt
aus für noch nicht einmal fünfzig. Aber bei der harten Arbeit draußen
auf der Plantage bzw. im Wald ist das auch kein Wunder. Wir konnten uns
zwar nicht unterhalten, aber ein wenig Zeichensprache tat es auch und es
war einfach ein schönes Gefühl so einbezogen zu werden. Putu hatte
wieder einmal Hunger, und wir mußten staunen, was sie so an Fisch
wegfuttern konnte.
Mades Vater drehte sich eine Zigarette, die er
uns reichte und sich köstlich amüsierte, als ich als Nichtraucher das
Husten bekam, aber ich sollte ja probieren... Very strong! Irgendwann war
es dann Zeit zu gehen, weil alle müde waren. Meine indonesisch Kenntnisse
waren gleich Null, aber ein "Selamat tinggal" (Auf Wiedersehen
zum Bleibenden) und "Terima kasih" (Danke) kamen trotzdem gut
an, und seine Eltern lachten erfreut.
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| Eigentlich
wollte ich nur kurz umreißen, wie wir uns kennen lernten, ein paar
Erlebnisse erzählen, aber nun habe ich mich wohl wieder ein wenig
hineingesteigert. Ist schon ein Wunder, was nach fünf Jahren noch so an
Begebenheiten in dem doch nicht mehr ganz so jungen Kopf vorhanden ist.
Die Insel Bali an sich ist schon ein Erlebnis und
ein Ort für wunderschönen Urlaub, den man nicht vergißt und vor allem
nicht beenden möchte. Wenn man dann noch eine Beziehung zu einer
balinesischen Familie aufbaut, ist das nicht mehr zu Toppen. Wir waren das
erste Mal auf Bali und machten den großen Fehler, ganz viele Ausflüge zu
buchen mit Reiseleitung, eigentlich gar nicht unser Ding, aber wer konnte
schon ahnen, daß sich alles so entwickeln würde?
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Einen alleinigen
Mopedausflug machten wir auch zum Tempel Luhur Uluwatu und hatten
das Glück, zusätzlich eine Kecak-Aufführung zu erleben |

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Die Zeit verging und die Abreise rückte näher.
Bei diesem Gedanken verkrampfte sich richtig mein Magen. Keine Ahnung,
wann und ob überhaupt wir wieder nach Bali kommen können. Und Briefe
schreiben erübrigt sich wohl auch, da Made nur Englisch sprechen aber
nicht schreiben kann...
Hatte ich eigentlich schon erwähnt, das Nengah
im sechsten Monat schwanger war? Hatte schon ne recht große Murmel, wußten
aber noch nicht, was es wird. Die Balinesen müssen ihre Arzt Besuche und
Medikamente selbst bezahlen. Es gibt zwar Krankenversicherungen, wie uns
ein Arzt erzählte, aber da die im Schadensfall oft genug nicht zahlen und
viele das Geld dafür nicht haben, werden kaum welche abgeschlossen. So
eine Untersuchung im Krankenhaus mit Ultraschall ist auch teuer, und das
Geld dafür ist nicht immer da. Also lassen sie sich überraschen, was es
wird, zumal die Geburt schon teuer werden wird. Bei einer normalen Geburt
kostet es ca. 100 Euro!!! An Komplikationen ist gar nicht zu denken...
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| Wir hatten uns immer
vorgenommen, Made und seine Frau zum Essen einzuladen, aber sie waren
nicht so recht begeistert, lehnten ab. Heute würde mir das nicht mehr in
den Sinn kommen, weil sie nie in einem Restaurant essen gehen, wie wir das
vielleicht machen. Sie würden sich unwohl fühlen. Stattdessen schlug
Made vor, wir könnten Barbecue machen bei ihm zu Hause. Da brauchten wir
gar nicht lange zu überlegen. Das ist besser als alles andere. So können
wir auch mal sehen, wie und wo er wohnt.
Wir dampften mit unseren Mopeds zusammen mit Made nach Jimbaran um Fisch zu
kaufen. Das war ne Schau. Er piekste in die Augen, hob die Kiemen... ein
Profi! Letzten Endes nahmen wir dann Red Snapper, nachdem er uns ein paar
Mal fragte, ob der Preis auch okay sei. Wir fuhren in einen Seitenweg und
er kaufte zwei Sorten Sambal Tomat, einmal scharf und einmal weniger
scharf für uns... habe keinen Unterschied gemerkt, war bei beiden schön,
als der Schmerz nachließ...
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Made und Nengah wohnen auch in einer ähnlich
Wohnanlage wie die Eltern, aber das Haus war größer und etwas
einladender. Es gab ein Bad mit typischem Hockklosett und Wasserbecken
daneben. "Take a shower" bestand daraus, das man sich mit der
großen Schöpfkelle Wasser über den Körper gießt. Und diese Hock-Klos
sind etwas gewöhnungsbedürftig, aber hygienischer als unsere
Toiletten... hat man doch keine Probleme mit ungeschickten Vorgängern.
Dann gab es noch eine kleine Küche, drei Räume für die Mitbewohner, ein
Wohnzimmer mit Farbfernseher und noch schlechteren Soaps als bei uns und Kühlschrank
und eine ganz kleine Schlafkammer... und einen großen offenen Flur, der
alles miteinander verband und in dem die Mopeds standen und Essen
vorbereitet wurde.
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| Nengah
kochte Reis, Made grillte den Fisch. ein paar Freunde mit Kindern waren
noch da, weshalb wir etwas mehr gekauft hatten. Wir sollten uns ins
Wohnzimmer setzen, als alles fertig war. Dann wurde die Reisschüssel
hingestellt, Sambal, Wasser, ein großer Teller mit Fisch und Made meinte
dann, er gehe raus und isst mit den anderen. Wir fragten ihn, warum
wir hier jetzt alleine essen und er und Nengah draußen mit den anderen.
"Habt Ihr denn kein Problem mit mir und meinen Freunden zusammen zu
essen?" Da mußten wir lachen und sagten, daß wir ja deshalb hier
seien. Er lachte auch und prompt kamen alle mit ihren Schüsseln und
Tellern und setzten sich zu uns. Wir hatten viel zu lachen, und es war so
lecker. Im Laufe des Abends kamen noch einige Freunde vorbei, um die
Fremdlinge zu betrachten. Später wurde noch Schach gespielt, und als
schon alles um uns herum so langsam einschlief, brachen wir auf. Mit einem
Mal waren dann auch alle anderen verschwunden, die dort nicht wohnen...
Made und ein Kumpel wollten uns nach Hause bringen, das heißt
wir wurden zum Hotel chauffiert. Im Dunkeln durch Denpasar, durch Kuta
und Legian...Es war angenehm warm. Überall roch es nach Weihrauch oder
den abendlichen kleinen Müllverbrennungsfeuern, und es war kein Stau in
Sicht...
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Eine kleine Ergänzung:
Da wir diesen Abend rechtzeitig verabredet hatten, konnten wir noch ein
paar kleine Geschenke für Made, Nengah und Putu besorgen, wobei das nicht
ganz so einfach war. Sollte ja schließlich kein Schnuller sein! Am Tag
davor hatten wir noch einen gebuchten Ausflug nach Bedugul... hm...tolle
Gewürze gibt es dort. Und süße Kleider hatten sie auch, wovon ich
unbedingt eins für Putu kaufen mußte. Da sie noch recht klein ist, eben
gerade mal 2 1/2 wird sie sich wohl kaum über Klamotten freuen. Daher
kauften wir noch einen ganz süßen flauschigen Teddybären....
Allerdings sollte sich rausstellen, daß wir da
komplett verkehrt lagen. Bis auf den Teddy packten wir alle Geschenke ein.
Sie sah ihn an und lief zu ihrer Mama, also ziemlich uninteressant. Dann
packte sie das Päckchen mit dem Kleid aus und strahlte. Sie fing dann an
zu weinen, weil sie sich nicht schnell genug die Sachen ausziehen konnte.
Wir haben so gelacht, es war einfach zu ulkig, wie sie an ihren Sachen
zehrte. Dann zog sie ganz stolz das Kleidchen über mit Mamas Hilfe und
tanzte den ganzen Abend lachend umher. Ich habe noch nie erlebt, daß ein
Mädchen in dem Alter sich derart über ein Kleid freuen kann...
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Eine
kleine Ergänzung noch zu unserem Aufenthalt in Kedisan:
Von Kedisan aus kann man mit einem Boot nach Trunyan, einem Bali-Aga-Dorf,
übersetzen. Dort werden die Toten nicht verbrand, wie es bei den Hindus
üblich ist, sondern sie werden aufgebahrt auf der Erde unter kleinen
Strohdächern. Dort lagen elf Menschen. Wenn der nächste stirbt, wird
Platz geschaffen, indem der älteste bzw. die übrig gebliebenen Knochen
von ihm den Abhang hinuntergekippt werden. Es war sehr makaber dort die
Menschenknochen liegen zu sehen. Die Überfahrt hätten wir fast nicht
gemacht, weil von uns ein unverschämt hoher Preis verlangt wurde.
Hafenrundfahrten bei uns sind schon teuer, aber er wollte noch mehr haben
für sein kleines Boot. Made war bei der "Verhandlung" dabei,
und wir dachten, daß er uns unterstützen würde, aber er hielt sich
vollkommen raus, was für uns etwas enttäuschend war. Andererseits sind
wir bald wieder weg, aber er kommt aus diesem Dorf...
Der Bootsbesitzer war ein wenig unverschämt und
wir schon ziemlich ärgerlich, so daß wir umdrehten und gehen wollten.
Auch da sagte Made nichts, sondern ging schon zum Moped. Da kam der Händler
uns hinterher und bot uns einen recht fairen Preis, mit dem wir
einverstanden waren. Made passte währenddessen auf unser Mopdet auf bzw.
besuchte seine Schwiegermutter, denn er war nicht da, als wir zurückkamen.
Niemand war da, und wir waren ein wenig beunruhigt. Nach ca. ner viertel
Stunde kam er dann, und wir erklärten ihm, daß das so nicht geht. Er
kann nicht einfach mit unserem Moped durch die Gegend fahren, ohne daß
wir davon wissen. Zumal wir damals eine recht hohe Summe bezahlen mußten,
wenn das Moped kaputt geht. Er sah es ein, und es war erledigt.
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| Wir haben
Made dann drei Tage nicht gesehen, da er nicht zum Strand kam. Damals
hatte er noch kein Handy, und es wäre für uns auch unvorstellbar
gewesen, daß er je eines haben könnte. Als wir nach Made fragten,
erfuhren wir dann am Strand von seinen Kollegen, daß seine Schwester ein
Baby bekommen hat, und er bei ihr ist. Made hatte noch eine zweite
Schwester, die leider zwei Jahre vorher bei der Geburt ihres Kindes
gestorben ist. Die Geburt war eine wichtige Sache, aber wir wußten nicht,
warum er drei Tage wegblieb, und uns nicht mal Bescheid gab. Zumal er uns
versprochen hatte, mit uns zusammen zum Pura Besakih zu fahren...
Wir warteten zwei Tage und fuhren dann selbst mit
Moped, weil uns die Zeit davonlief. Das war sehr abenteuerlich. Zumal
Verkehrsschilder mit Wegweisung auf Bali eine Rarität sind, ebenso
Ortsein- oder Ausgangsschilder. Wir hielten ein paar Mal unterwegs an und
fragten nette Balinesen, und irgendwann nach ca. drei Stunden waren wir
da, mit schmerzendem Hintern. Die Tempelanlage ist wirklich riesig und
sehr interessant. Leider war der dahinterliegende Berg unsichtbar, aber es
gibt ja Postkarten... Da der Tempel nun mal sehr hoch liegt, ist das
Wetter dort oft etwas anders. In Legian schien die Sonne, und hier war es
diesig, und es regnete auch einmal ziemlich doll. Dies war besonders ungünstig.
Wir hatten nämlich entsprechend den Einheimischen unsere Helme am Moped hängen
lassen... und konnten sie nun auskippen...
Wir waren spät wieder zu Hause und freuten uns
über unseren gelungenen Ausflug, gaben unser Moped ab, gingen schön
essen und fragten uns, ob wir Made und Nengah wohl noch sehen würden vor
unserem Abflug. Ich war schon recht traurig, weil ich nicht wußte, ob
ihnen unser Abflug egal ist. Alles war so fraglich mit einem Mal. Uns
blieb noch der morgige Tag und der Tag darauf bis gegen Mittag...
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| Am nächsten
Tag ging ich nach dem Frühstück gleich zum Strand und hielt Ausschau
nach unseren Freunden... Nichts! Mein Mann kam später nach, und wir lasen
ein wenig. Und dann... kamen sie...alle drei!!! Juchhu! Ich habe mich so
gefreut. Made erzählte uns, weshalb er so lange nicht da war und staunte,
daß wir die Tour zum Besakih alleine gemacht hatten. Wir verbrachten den
ganzen Tag zusammen.
Zwischendurch fuhr ich mit Made noch einmal
schnell in den Ort, weil wir Reiseschecks umtauschen wollten, damit wir
den beiden etwas Geld für die bevorstehende Geburt geben konnten. Wir
hatten am Tag zuvor eine kleine Geldbörse erstanden - na ja, wurde uns
eher aufgedrängelt -in die wir das Geld taten. Ich gab dies Made mit dem
Hinweis wofür. Er sah nicht hinein, bedankte sich und gab es sofort
seiner Frau. Beide freuten sich sehr darüber. Wir ließen noch unsere
Reiseapotheke dort. Gingen aber mit Made am Strand zusammen durch, wofür
die einzelnen Dinge sind, und was zu beachten ist., da manche für Nengah
nicht geeignet waren. Er schrieb es gleich auf die Verpackungen. Am
tollsten fanden sie das digitale Thermometer...
Wir tauschten unsere Adressen aus... und dann war
der Tag auch schon wieder rum. Wir gönnten uns in einem schönen
Restaurant ein leckeres Abschiedsessen, aber ich durfte nicht an den
morgigen Tag denken... Wir hatten uns mit den dreien wieder am Strand
verabredet. Sie waren recht früh dort, und wir sprachen über die und
jenes, spielten mit Putu "Tehbotol-Flaschen-mit Sand-füllen-und
einbuddeln-und-wieder-ausbuddeln", und Nengah gönnte uns noch eine
Abschiedsmaniküre. Sie hatten auch ein Geschenk für uns: Ein
geschnitztes Holzkästchen. (Es hat einen schönen Platz bei uns
bekommen). Nengah verkauft solche Sachen und Schmuck sowie Maniküre und
Pediküre am Strand. Mein Mann wollte gern noch eine Kette für seine
Schwester kaufen, und zwar ein Lederband mit balinesischem Silberanhänger
dran. Made dachte, es wäre für ihn und schenkte es ihm. Im nächsten
Moment hängte er mir auch eines um. (Ich habe meinen Anhänger immer
dabei als kleinen Glücksbringer, wenn wir eine Reise machen) Wir waren
sehr gerührt, und ich kämpfte mit den Tränen, denn gleich mußten wir
los...
Made und Nengah wollten rechtzeitig zum Hotel
kommen, um uns dort zu verabschieden, weil wir vorher noch den Rest packen
mußten... Wir warteten an der Rezeption, als die kleine Familie mit ihrem Moped
vorfuhr. Sie warteten in dem kleinen Seitenweg, und wir gingen hin. Keiner
wußte so recht, was er sagen sollte. Alle waren traurig... bis auf Putu,
die den ganzen Heckmeck nicht verstand. Mein Mann machte dann den Anfang
und verabschiedete sich. Im Reiseführer hatte ich gelesen, daß Zärtlichkeiten
wie Umarmungen und dergleichen zwischen Mann und Frau nicht gern gesehen
sind, zwischen gleichen Geschlechtern dagegen schon. Nengah und ich
umarmten uns ganz fest zum Abschied, was Putu gar nicht paßte. Dann
ignorierte ich alles und tat bei Made das gleiche. Er erwiderter die
Umarmung, also war es okay. Dann mußte ich ganz schnell zu unserem
Flughafentransport gehen, um mich nicht zu blamieren. Wir stiegen ins Auto, und unsere Freunde fuhren winkend vorbei Richtung
Denpasar...
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| Ich muß
sicher nicht erwähnen, daß mein Hals ein einziger großer Knoten war...
Im Auto saßen noch zwei ältere Pärchen aus dem Ruhrgebiet. Denen
machte es gar nicht aus, nach Hause zu fahren, erzählten und erzählten,
irgendwelchen Unsinn... Und die hatten soooo viel Ahnung von Bali und den
Balinesen. Ich hätte ihnen am liebsten gegen das Schienbein getreten bei
diesem Blödsinn! Zumal das eine Pärchen schon morgens am Pool lag, wenn
wir zur Tour starteten und abends immer noch, wenn wir wiederkamen. Mir fiel der Abschied so schwer, weil es für mich aussichtslos war, eine
solche Freundschaft am Leben zu erhalten, über diese Entfernung, mit
dieser Sprachbarriere. Es werden neue Touristen für Made und Nengah
kommen und gehen... Wer weiß, ob wir uns je wiedersehen werden.
Ich hatte unseren Balifreunden versprochen, auf
jeden Fall ein paar von den viel geknipsten Fotos zu schicken. Zu dem
Zeitpunkt machten wir noch Dias. Das heißt, es vergingen ein paar Tage
mit Entwicklung, Rahmung und erneuten Papierabzügen... Ich bin mir nicht
mehr sicher, aber ich glaube, wir waren gerade mal ein oder zwei Wochen
wieder zu Hause (und mit den Gedanken dauernd auf Bali) als wir Post aus Süddeutschland
bekamen mit einem uns unbekannten Absender. Er war von einer Familie, die
gerade von ihrem Baliurlaub zurückkam und uns einen Brief von einer
lieben Balifamilie schickte, die ihnen andauernd von einer befreundeten
Familie aus Deutschland erzählte... Das war eine Überraschung! Der Brief
von Made enthielt eine in Englisch und eine in Indonesisch geschriebene
Karte. Nunja, die englische konnten wir übersetzen...
Ich war zu der Zeit gerade arbeitslos, da mein
Chef Insolvenz anmelden mußte, und hatte noch nichts neues gefunden. Ich
hatte demzufolge viel freie Zeit. Also fasste ich einen Endschluß: Wenn
wir uns mit Made englische Briefe schreiben wollen, muß er Urlauber am
Strand fragen zwecks Übersetzung und dies ebenfalls für seine Antworten.
Das würde er vielleicht ein oder zwei Mal machen. Dann wäre der Kontakt
auch schon unterbrochen, weil es viel zu kompliziert ist. Also bestellte
ich mir indonesische Wörterbücher und Sprachführer und übte ein
wenig...
Ich schickte die Fotos und versuchte mich im
Indonesische - Briefe - schreiben. Es funktionierte. Zwei Wochen später
hatten wir wieder Post. Es war etwas schwierig für mich, den Brief zu übersetzen,
aber mit Hilfe eines Online-Wörterbuches bekam ich es dann hin. Seitdem
schreiben wir uns in heute recht seltenen Abständen indonesische Briefe.
Im Dezember - am 31.12.1999 - kam dann die kleine
Made zur Welt. Ich wollte so gerne wissen, wie sie aussieht und bat darum,
von dem Geld, das wir mitschicken, doch bitte einen Fotoapparat zu kaufen
und uns ein paar Fotos zu schicken. Wir hatten jedem Brief irgendeine
Kleinigkeit beigelegt, entweder Geld oder süße Kleidungsstücke für die
Mädchen oder anderes. Immer so, daß es noch unter einem Päckchen blieb,
wäre sonst zu teuer geworden. Eine ganze Weile später bekamen wir einen
großen Brief aus Bali....mit einigen Fotos. In dem Moment wußte ich, daß
er meine Briefe verstand, und ich wohl nicht alles falsch mache.
Irgendwann schickte er uns mal zwei Telefonnummern, einmal Festnetz (ich
glaube, bei einer Nachbarin oder so) und eine Handynummer. Made hat ein
Handy. Unglaublich. Ich habe gleich ne SMS geschickt und dann später noch
mehr aber leider keine Antwort bekommen. Made hatte ausgerechnet den
Anbieter genommen, mit dem man nur SMS empfangen kann...
So verging die Zeit, und unsere Balisehnsucht
wuchs. Freunde von uns wollten heiraten und interessierten sich aufgrund
unserer Erzählungen für eine Balihochzeitsreise. Ich bot mich an, im
Internet parallel mal nach Angeboten zu suchen. Dabei stieß ich auf www.yakee.de
und ließ mir Angebote für unsere Freunde erstellen. Alles ging per Mail,
und ich bekam jede Frage prompt beantwortet. Einfach supi. Unsere Freunde
wählten dann doch ein anderes Reiseziel, und irgendwann machte es dann
bei uns klick...
Wir ließen uns Angebote für unsere eigene Balireise erstellen!
Made und Familie freuten sich über die Nachricht und hatten eine Überraschung
für uns. Er schrieb uns, wir sollten uns beeilen, damit wir die Geburt
seines Sohnes noch mit bekommen. Diese will er dann mit uns bei sich zu
Hause feiern. Er entschuldigte sich, daß er es erst so spät erzählte,
aber er hatte eigentlich vor, mit uns zusammen zu grillen und wollte uns
dann mit dem Baby überraschen... Was für ein originelles
Willkommensgeschenk.
Wir freuten uns riesig. Nun bekommen sie endlich
ihren Sohn! Das gibt sicher eine nette Feier. Wir schickten noch
rechtzeitig einen Brief ab mit ca. Ankunftszeit und Hotel. Irgendwann war
der April 2002 da, und die Reise ging los. Ich war etwas unsicher, wie
wohl das Wiedersehen sein wird, wollte mir nicht zu viel versprechen und
ließ alles auf mich zukommen. Es war so schon erstaunlich, daß wir uns
trotz der recht kurzen Bekanntschaft ca. 2 1/2 Jahre geschrieben haben.
Man muß aber auch sagen, daß wir dadurch viel über uns erfahren haben,
von beiden Seiten aus. Per Brief verabredeten wir uns am Strand, da wir
ein Hotel gewählt hatten, daß direkt neben unsrem vorherigen lag. Mal
sehen...
Da fällt mir noch etwas ein...
Hatte ich eigentlich erwähnt, daß die "Straße" von Kintamani
nach Kedisan grottenschlecht war?
Nun ja, in normalem Zustand war sie sehr steil abfallend und kurvig...nun
aber waren Bauarbeiten im Gange. Hinzu kam also, daß der Straßenbelag
als solches nicht mehr vorhanden war sondern eher eine Schuttmischung. Könnt
Ihr Euch vorstellen, wie schön man da ins Rutschen kommen kann...immer
abwärts... Da nützt auch kein "HATI-HATI" mehr. Mitten drin
dann noch die Bauarbeiter. Am schlimmsten Stück stieg ich ab, und mein
Mann schob das Moped....während Made hinter der nächsten Kurve
verschwand.
Das bestand uns nun auch für die Rückfahrt
bevor, nur eben bergauf. Da aber Mades Familie aufgrund der langen
beschwerlichen Strecke bei einem Cousin im Auto mit zurück fährt,
beschlossen die Männer, daß ich sicherheitshalber bei Made mitfahre. Auf
der gemeinsamen Rückfahrt wollten wir uns noch ein paar Sachen ansehen.
Mein Mann wollte gerne mal einen richtig schönen Blick auf den Agung
haben und fragte, ob es nicht möglich sei, den Abhang ein Stück hinauf
zu fahren...und los ging es. Ich staunte nicht schlecht, über die neue
Asphaltstraße, die dort hoch führte und sagte dies Made. Hatte ich doch
im Hinterkopf immer noch die andere...Er grinste nur...und kurze Zeit später
war mir auch klar warum: Die Straße endete plötzlich und wurde zu
einem...nennen wir es "Weg". Wir rutschten durch weichen Sand,
an stachligen Büschen vorbei, weshalb ich meine Sandalen in festes
Schuhwerk umtauschte. Aber es war total lustig. Mein Mann war begeistert
und eierte auf seinem Moped um her...Wir kamen an Kreuzungen, natürlich
ohne Schilder. Anscheinend wußte Made auch nicht recht, wo er lang fahren
sollte, denn er fragte mich grinsend wo lang. Als er dann noch anfing,
abzuzählen, welchen Weg er einschlagen soll, kamen wir aus dem Lachen
nicht mehr raus. Natürlich wählte er den falschen Weg, und wir mußten
nach kurzer Zeit umdrehen. Irgendwann wurden die Büsche niedriger, der
Weg immer weniger Weg...und plötzlich hatten wir einen wunderschönen
Blick auf den Gunung Agung. Es war herrlich, und Made war stolz...
Weiter ging es zum Tempel Pura Kehen. Wir holten
uns Sarong und Tempelschal. Während mein Mann mal kurz verschwand, kam
eine ältere Frau mit einem Baby auf dem Arm auf uns zu, lächelte mich an
und schenkte mir eine herllich duftende Blüte, die sich die Balinesen des
öfteren hinters Ohr stecken anstelle von Parfüm. Ich wollte sie erst
nicht haben, weil ich nicht wußte wofür, aber sie bestand darauf...und
dann hielt sie Hand auf und wollte Geld. Ich war echt perplex. Wir sind
ganz bestimmt nicht geizig und schon gar nicht auf Bali, aber ich möchte
auch gerne einen Grund dafür haben, jemandem Geld zu geben. Und dies war
eindeutig Bettelei! Was nun tun? Soll ich ihr die Blüte einfach wieder in
die Hand drücken? Made schien die Situation auch etwas unangenehm und
befreite mich aus dieser mißlichen Lage, indem er einfach ging, dabei
meinen Arm nahm und mich einfach mitzog...
Ich habe fertig!
Hoffe es war für alle ein wenig interessant, weil ja noch zwei
Reiseberichte, also Teil 2 und 3, kommen sollen...
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